Wenn der schwere SPT-Hammer im Tiefgründungsgerät mit 76 kg Fallgewicht auf die Schlagstange trifft und die Schlagzahlen für die ersten 15 Zentimeter praktisch verschwinden, wissen wir sofort: Hier haben wir es mit lockerem, wassergesättigtem Sand zu tun, der unter zyklischer Belastung spontan seine Struktur verlieren kann. In Konstanz mit seinen quartären Seesedimenten und den sandigen Schwemmfächern, die sich um den Seerhein in Richtung Wollmatinger Ried erstrecken, ist dieser Befund nicht selten. Wir fahren dann mit der Messsonde des CPT-Versuchs weitere Tiefenstufen ab, um den Porenwasserdruck und die Spitzendruckverhältnisse direkt im Feld zu erfassen. Die CPT-Versuche liefern uns dabei ein nahezu kontinuierliches Profil, bevor wir im Labor die zyklischen Triaxialversuche ansetzen und den Boden so beanspruchen, wie es ein Erdbeben der Stärke 6,5 in der Region Bodensee-Oberschwaben tun würde.
Verflüssigung ist kein theoretisches Modell: Bei lockerem, wassergesättigtem Sand reichen wenige Sekunden zyklischer Belastung, und der Boden verhält sich wie eine schwere Flüssigkeit.
Unser Ansatz
Örtliche Baugrundfaktoren
Konstanz hat eine besondere historische Entwicklung: Der Stadtkern liegt auf einer schmalen Moränenzunge, die sich zwischen dem Seerhein und dem Obersee schiebt. Die Bebauung der weichen Uferzonen und Auffüllungen begann erst ab dem 19. Jahrhundert, als man die Fläche für den Hafen und das Industriegebiet Stromeyersdorf brauchte. Diese anthropogenen Auffüllungen und die natürlich anstehenden lakustrinen Sedimente sind im Erdbebenfall hochgradig verflüssigungsgefährdet. Die seismische Mikrozonierung der Region weist für Konstanz Bemessungsspitzenbeschleunigungen bis 0,8 m/s² aus. Wenn ein Bauherr hier auf eine Bodenverflüssigungsanalyse verzichtet und auf einer flachen Bodenplatte gründet, riskiert er im Schadensfall nicht nur Setzungen von mehreren Dezimetern, sondern einen kompletten Tragfähigkeitsverlust des Baugrunds innerhalb der ersten zehn Sekunden eines Starkbebens.
Geltende Normen
DIN EN 1998-5:2010-12 (Eurocode 8, Teil 5), DIN 4094-3:2002-01 (Baugrund – Felduntersuchungen – Teil 3), DIN EN ISO 17892 (Geotechnische Erkundung – Laborversuche)
Ergänzende Leistungen
Feldkampagne nach DIN 4094
SPT-Bohrung mit Probenentnahme, CPTu-Sondierung zur Porenwasserdruckmessung und schwere Rammsondierung für die flächige Dichtebeurteilung.
Zyklische Triaxialversuche
Ungestörte Proben werden im Labor zyklisch belastet, um die Porenwasserdruckentwicklung und den Verflüssigungszeitpunkt zu bestimmen.
LPI-Berechnung und Mikrozonierung
Wir erstellen standortbezogene LPI-Karten und stufen das Verflüssigungsrisiko für das gesamte Baufeld in drei Gefährdungsklassen ein.
Gründungsberatung mit Maßnahmenplan
Falls der Baugrund als verflüssigungsgefährdet eingestuft wird, entwickeln wir einen Katalog aus Tiefgründung, Rüttelverdichtung oder Schottersäulen.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine Bodenverflüssigungsanalyse in Konstanz für ein Einfamilienhaus?
Für ein Einfamilienhaus in Konstanz liegen die Kosten für eine vollständige Verflüssigungsanalyse inklusive zweier SPT-Bohrungen, CPTu-Sondierung und zyklischen Triaxialversuchen je nach Aufschlusstiefe und Probenanzahl zwischen €2.530 und €3.660. Wir erstellen vorab ein Angebot mit genauer Leistungsbeschreibung.
Ab wann ist eine Verflüssigungsuntersuchung nach DIN EN 1998-5 in Konstanz verpflichtend?
Die Untersuchung ist erforderlich, wenn der Baugrund in Konstanz bis in die relevante Tiefe locker gelagerte, wassergesättigte Sande oder Schluffe aufweist und die Bemessungsspitzenbeschleunigung nach seismischer Karte über 0,4 m/s² liegt. Die Notwendigkeit wird im geotechnischen Vorbericht festgelegt.
Welche Bodenverbesserungsmethoden kommen bei Verflüssigungsgefahr in Konstanz in Frage?
Bei verflüssigungsgefährdeten Böden in Konstanz setzen wir je nach Tiefenlage und Bebauung meist auf Rüttelverdichtung (Vibroflotation), den Einbau von Schottersäulen oder eine Tiefgründung mit Pfählen, die in die tragfähige Moräne unter den Seesedimenten einbinden.
