Die DIN 4022 und die DIN EN ISO 17892-4 bilden das normative Fundament jeder belastbaren Bodenklassifikation in Deutschland. In Konstanz, wo die quartären Seeablagerungen und die Molasse des Bodenseebeckens auf engstem Raum wechseln, ist eine reine Feldansprache oft nicht ausreichend, um das Trag- und Setzungsverhalten zuverlässig zu prognostizieren. Die Korngrößenanalyse – bestehend aus Siebung und Sedimentationsverfahren im Hydrometer – liefert die quantitative Kornverteilungskurve, die der Statiker, der Geotechniker und das Wasserwirtschaftsamt für die Bemessung von Flachgründungen, Versickerungsanlagen und Dichtungsnachweisen benötigen. Im [Sondierlabor](https://www.sondajespt.com) wird diese Prüfung nach den QS-Vorgaben der DAkkS-akkreditierten Prüfstellen durchgeführt, sodass die Ergebnisse direkt in die geotechnische Kategorie GK 2 und GK 3 einfließen können.
Die Kornsummenkurve ist der Fingerabdruck des Bodens – sie verrät einem erfahrenen Geotechniker mehr über das Verhalten im Bauwerk als zehn Rammsondierungen.
Unser Ansatz
Örtliche Baugrundfaktoren
In Konstanz sehen wir bei Hanggrundstücken am Bodanrück oft, dass die Feinanteile in einer vermeintlich sandigen Verwitterungszone des Molassefelses unterschätzt werden. Führt man hier keine Hydrometeranalyse durch, wird der Boden fälschlich als eng gestufter Sand klassifiziert, was zu einer Überschätzung des Reibungswinkels und einer Unterschätzung des Setzungspotenzials unter Dauerlast führt. Das Risiko zeigt sich oft erst nach zwei feuchten Wintern, wenn die Stützwand leichte Verformungen aufweist und die Drainage verschlämmt. Ein weiteres kritisches Szenario betrifft die Verwendung von Aushubmaterial für die Hinterfüllung: Wird ein stark schluffiger Kies ohne exakte Kornanalyse als frostsicher deklariert, drohen Frostschäden im angrenzenden Belag. Die Korngrößenanalyse schafft hier die belastbare Grundlage für den Verwendungsnachweis nach LAGA und das Erdbauwerk nach ZTV E-StB, sodass Nachtragsforderungen vermieden werden.
Geltende Normen
DIN EN ISO 17892-4:2017-04 (Geotechnische Erkundung – Laborversuche – Bestimmung der Korngrößenverteilung), DIN 18123:2011-04 (Baugrund – Bestimmung der Korngrößenverteilung), DIN 18196:2011-05 (Erd- und Grundbau – Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke), DIN 4022-1:1987-09 (Baugrund und Grundwasser – Benennen und Beschreiben von Boden und Fels), ZTV E-StB 17 (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen für Erdarbeiten im Straßenbau)
Ergänzende Leistungen
Trockensiebung und Nasssiebung
Klassische Maschensiebung für Lockergesteine bis 125 mm Korndurchmesser. Bei bindigen Beimengungen erfolgt die Nasssiebung mit Spülung über 0,063 mm zur sauberen Trennung der Grobfraktion.
Aräometer-Analyse nach Casagrande
Sedimentationsverfahren mit Aräometer für die Korngrößen < 0,063 mm. Ermittlung der Schluff- und Tonfraktion mit hoher Auflösung bis in den Kolloidbereich.
Kornsummenkurve und Bodenklassifikation
Zusammenführung der Sieb- und Hydrometerkurve zu einer durchgehenden Kornsummenkurve. Ableitung der Bodenklasse nach DIN 18196, Frostempfindlichkeitsklasse nach ZTV E-StB und Verdichtungskennwerte.
Kombipaket mit SPT-Bohrung und Konsistenzgrenzen
Für Bauvorhaben mit Gründung in bindigen Schichten kombinieren wir die Korngrößenanalyse mit der Atterberg-Grenzen-Prüfung und der SPT-Bohrung, um den vollständigen Satz an Zustandsgrößen für die Setzungsberechnung zu erhalten.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Wann ist eine kombinierte Sieb- und Hydrometeranalyse erforderlich?
Sobald der Feinkornanteil (<0,063 mm) augenscheinlich über 5 % liegt oder das Material tonig-schluffig reagiert, reicht die alleinige Siebung nicht aus. Im Raum Konstanz betrifft dies vor allem die glazialen Beckentone, die Molasse-Verwitterungslehme und die Auelehme entlang des Seerheins. Die Hydrometeranalyse liefert die quantitative Verteilung der Schluff- und Tonfraktion, die für die Bodenklassifikation nach DIN 18196 und die Beurteilung der Frostsicherheit nach ZTV E-StB zwingend vorgeschrieben ist.
Welche Bodenklassen werden mit der Korngrößenanalyse nach DIN 18196 unterschieden?
Die DIN 18196 teilt Böden anhand der Korngrößenverteilung in Grobkörnige (GE, GW, GI, SE, SW, SI), Gemischtkörnige (GU, GT, SU, ST) und Feinkörnige (UL, UA, TL, TA) ein. Bei feinkörnigen und gemischtkörnigen Böden werden zusätzlich die Konsistenzgrenzen benötigt, um die plastischen Eigenschaften zu klassifizieren. Für die Konstanzer Seetone ergibt sich typischerweise die Klasse TA oder TM.
Wie viel kostet eine Korngrößenanalyse im Labor?
Für eine kombinierte Sieb- und Hydrometeranalyse inklusive Probenvorbereitung, Prüfbericht und Kornsummenkurve liegen die Kosten je nach Probenanzahl und Aufbereitungsaufwand zwischen €110 und €170 pro Probe. Bei größeren Kampagnen mit mehr als zehn Proben durchführen wir gestaffelte Konditionen.
Welche Probenmenge wird für die Analyse benötigt?
Bei einem Größtkorn bis 32 mm reichen etwa 1000 g gestörte Probe in einem luftdicht verschlossenen Beutel. Für kiesige Böden mit Größtkorn über 63 mm werden mindestens 2000 g benötigt. Entscheidend ist, dass die Probe repräsentativ entnommen wird und nicht während des Transports entmischt. Unser Laborteam in Konstanz kann die Probenahme vor Ort koordinieren.
Lässt sich aus der Kornsummenkurve der Durchlässigkeitsbeiwert ableiten?
Ja, für Sande und Kiese kann der Durchlässigkeitsbeiwert kf näherungsweise aus der Kornsummenkurve nach Hazen, Beyer oder Seiler abgeschätzt werden. Für die exakte Bemessung von Versickerungsanlagen in Konstanz empfehlen wir jedoch einen in-situ-Durchlässigkeitsversuch, da Gefüge, Lagerungsdichte und organische Beimengungen die Durchlässigkeit um Größenordnungen verändern können.
