Ein fünfgeschossiger Wohnbau in der Konstanzer Paradieser Straße, direkt auf den weichen Ablagerungen des Seerheins geplant, brachte es ans Licht: Ohne eine detaillierte Pfahlgründungsbemessung nach DIN 1054 und Eurocode 7 hätten die Setzungen das Projekt schon im Rohbau gefährdet. Konstanz liegt auf einem geotechnisch anspruchsvollen Untergrund aus nacheiszeitlichen Seetonen, Torflinsen und tief liegenden Molasseschichten – wer hier baut, braucht mehr als eine Standardlösung. Eine CPT-Sondierung liefert uns die kontinuierlichen Spitzendruck- und Mantelreibungsprofile, die für die realistische Abschätzung der Pfahltragfähigkeit im geschichteten Baugrund unverzichtbar sind. Unser Team begleitet Sie von der ersten Baugrunderkundung bis zur Ausführungsplanung: Wir berechnen charakteristische Pfahlwiderstände, modellieren die Mantelreibung im Seeton und dimensionieren die Bewehrung so, dass Ihr Bauwerk auch bei wechselnden Seespiegelständen standsicher bleibt.
Im Konstanzer Seeton entscheidet nicht der Spitzendruck, sondern die zeitabhängige Mantelreibung über die Gebrauchstauglichkeit der Pfahlgründung.
Unser Ansatz
Örtliche Baugrundfaktoren
Das Seeklima mit jährlichen Niederschlägen um 950 mm und die Hydrologie des Bodensees setzen dem Konstanzer Baugrund auf doppelte Weise zu. Zum einen führt der schwankende Seespiegel – die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt saisonal oft über zwei Meter – zu einer ständigen Änderung der effektiven Spannungen in den grundwasserführenden Schichten. Zum anderen aktiviert die langsame Konsolidation der mächtigen Seetone über Jahrzehnte hinweg negative Mantelreibung an bestehenden Pfählen, ein Effekt, den wir in der Bemessung durch einen konservativen Ansatz des Abminderungsfaktors nach EA-Pfähle berücksichtigen. Wer diesen Mechanismus ignoriert, riskiert fortschreitende Setzungen und Schiefstellungen, die sich kaum mehr korrigieren lassen. Kombiniert mit der Erdbebenzone 2 nach DIN EN 1998-1 verlangt die Situation eine Pfahlgründung, die sowohl vertikale als auch horizontale Einwirkungen aus Trägheitskräften und kinematischer Interaktion zuverlässig aufnimmt.
Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), EA-Pfähle (Empfehlungen des Arbeitskreises Pfähle, DGGT), 2. Auflage, DIN EN 1536:2015-10 (Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau – Bohrpfähle)
Ergänzende Leistungen
Geotechnische Bemessung von Bohr- und Verdrängungspfählen
Ermittlung der charakteristischen Pfahlwiderstände aus Drucksondierungen und Laborversuchen nach DIN 1054. Ableitung der axialen Tragfähigkeit für Einzel- und Gruppenpfähle, Nachweis der inneren und äußeren Tragfähigkeit sowie der Gebrauchstauglichkeit unter Berücksichtigung von negativer Mantelreibung im Konstanzer Seeton.
Pfahlprobebelastung und Qualitätssicherung
Planung und Auswertung statischer Probebelastungen an Referenzpfählen sowie dynamische Pfahltests mit CAPWAP-Analyse. Wir kalibrieren die Bemessungsparameter anhand der gemessenen Last-Verschiebungs-Kurven und sichern die Ausführung durch Cross-Hole Sonic Logging auf Mantel- und Fußintegrität ab.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Welche Pfahltypen setzen Sie in Konstanz bevorzugt ein?
Das hängt vom Baugrundprofil ab. Bei steifer Molasse in geringer Tiefe arbeiten wir häufig mit Vollverdrängungspfählen wie Atlaspfählen – sie mobilisieren hohe Mantelreibung und verdrängen den weichen Seeton seitlich. Bei großen Tiefen oder beengten Platzverhältnissen in der Altstadt kommen verrohrte Bohrpfähle nach DIN EN 1536 zum Einsatz, die sich exakt auf die geforderte Neigung abteufen lassen.
Wie gehen Sie mit negativer Mantelreibung im Konstanzer Seeton um?
Die negative Mantelreibung entsteht, weil der Seeton unter seinem Eigengewicht und späteren Auffüllungen langsam konsolidiert und sich relativ zum Pfahl nach unten bewegt. Wir berechnen die neutrale Tiefe nach dem empirischen Ansatz der EA-Pfähle, setzen die Mantelreibung oberhalb dieser Tiefe als ungünstig wirkende Einwirkung an und dimensionieren die Pfähle so, dass die resultierende Druckkraft die zulässige Betonspannung nicht überschreitet.
Sind seismische Einwirkungen bei der Pfahlbemessung in Konstanz relevant?
Ja, auch wenn Konstanz in der Erdbebenzone 2 liegt. Für kritische Infrastrukturbauten und Gebäude der Bedeutungskategorie III führen wir den Nachweis der kinematischen Pfahl-Boden-Interaktion nach DIN EN 1998-5. Die weichen Seetone können seismische Scherwellen verstärken, was zu erhöhten Biegemomenten in den Pfählen führt.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Pfahlgründungsbemessung in Konstanz rechnen?
Das Honorar für die Pfahlgründungsbemessung liegt je nach Bauwerksgröße und Erkundungsaufwand zwischen €1.620 und €6.010. Eine einfache Bemessung für ein Einfamilienhaus mit zwei Drucksondierungen beginnt im unteren Bereich, während die statische Berechnung für einen Mehrfamilienhauskomplex mit Pfahlprobebelastung und FEM-Modellierung den oberen Bereich erreicht.
